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Bedrohungsszenarien BSI TOM

Kurzueberblick / Definition

Bedrohungsszenarien beschreiben moegliche Angriffe oder Stoerungen auf IT-Systeme und Daten.

Fuer AP1/AP2 wichtig:

  • Bedrohung erkennen
  • Schutzziel zuordnen (CIA)
  • passende TOM ableiten

Was ist das BSI?

BSI steht fuer Bundesamt fuer Sicherheit in der Informationstechnik.

Kurz erklaert:

  • Das BSI ist die zentrale deutsche Behoerde fuer Cybersicherheit.
  • Es veroeffentlicht Empfehlungen, Standards und Mindestanforderungen fuer IT-Sicherheit.
  • Es unterstuetzt Behoerden, Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Warum ist das in der Pruefung wichtig?

  • BSI-Vorgehen hilft, Bedrohungen systematisch zu analysieren.
  • Es verbindet Technik, Organisation und Prozesse (nicht nur Tools).
  • Viele Sicherheitskonzepte in Unternehmen orientieren sich am BSI-Grundschutz.

Schutzziele als Basis (CIA + Erweiterung)

  • Vertraulichkeit: Nur Berechtigte duerfen lesen.
  • Integritaet: Daten duerfen nicht unbemerkt veraendert werden.
  • Verfuegbarkeit: Systeme und Daten muessen nutzbar sein.
  • Authentizitaet: Identitaet ist echt und nachweisbar.
  • Nichtabstreitbarkeit: Handlungen koennen nicht glaubhaft abgestritten werden.

Typische Bedrohungsszenarien

Bedrohung Kurzbeschreibung Hauptbetroffenes Schutzziel
Datenverlust Daten gehen verloren (Defekt, Loeschen, Fehler) Verfuegbarkeit, Integritaet
Datenmanipulation Daten werden unberechtigt veraendert Integritaet
Datenleck Vertrauliche Daten werden offengelegt Vertraulichkeit
Ransomware Daten werden verschluesselt, Betrieb wird blockiert Verfuegbarkeit, Integritaet
DDoS Dienste werden durch Last unerreichbar Verfuegbarkeit
Insider-Bedrohung Missbrauch durch interne Personen Alle, oft Vertraulichkeit
Phishing Taeuschung zur Zugangsdaten-Abgabe Vertraulichkeit, Authentizitaet
Malware Schadcode infiziert Systeme Integritaet, Verfuegbarkeit
Zero-Day-Exploit Ausnutzung unbekannter Schwachstellen Alle

BSI-Kontext (vereinfacht)

Das BSI empfiehlt, Risiken systematisch zu behandeln:

  1. Werte/Assets bestimmen (z. B. Kundendaten, ERP-System).
  2. Bedrohungen und Schwachstellen identifizieren.
  3. Risiko bewerten (Eintrittswahrscheinlichkeit x Schaden).
  4. Massnahmen umsetzen und regelmaessig pruefen.

Merksatz: Nicht nur Technik absichern, sondern Prozesse und Menschen mitdenken.

TOM: Technische und organisatorische Massnahmen

TOM sind Schutzmassnahmen nach DSGVO Art. 32 und allgemein gute Sicherheitspraktiken.

Technische Massnahmen (T)

  • Verschluesselung (at rest / in transit)
  • Zugriffskontrolle (MFA, Rollen, Rechte)
  • Firewalls, IDS/IPS, Netzwerksegmentierung
  • Backup und Restore-Tests
  • Endpoint-Schutz, Patch-Management
  • Protokollierung und Monitoring (SIEM)

Organisatorische Massnahmen (O)

  • Berechtigungskonzepte und Vier-Augen-Prinzip
  • Schulungen (z. B. Phishing Awareness)
  • Notfallplaene und Incident-Response-Prozesse
  • Richtlinien (Passwort, Clean Desk, Mobile Work)
  • Verfahrensdokumentation und Regelpruefungen
  • Auftragsverarbeitungsvertraege und Datenschutzprozesse

Zuordnung: Bedrohung zu passenden TOM

Bedrohung Technische Massnahmen Organisatorische Massnahmen
Datenverlust 3-2-1-Backups, Redundanz, Snapshots Backup-Policy, Restore-Uebungen
Datenmanipulation Hashing, Signaturen, Rechtekonzept Freigabeprozesse, Vier-Augen-Prinzip
Datenleck Verschluesselung, DLP, MFA Need-to-know-Prinzip, Schulungen
Ransomware EDR, Segmentierung, Offline-Backups Incident-Plan, Mitarbeiterschulung
DDoS Rate-Limiting, WAF, CDN/Scrubbing Notfallkommunikation, Dienstleistervertrag
Insider-Bedrohung Protokollierung, Least Privilege Job-Rotation, Awareness, Trennungsprinzip
Phishing Mail-Filter, SPF/DKIM/DMARC, MFA Sensibilisierung, Meldeprozess
Malware AV/EDR, Patch-Management, Whitelisting Software-Freigabeprozess
Zero-Day Hardening, Segmentierung, Monitoring Schnellprozess fuer Patches/Workarounds

Mini-Fallbeispiele (pruefungsnah)

Fall 1: Ransomware im Fileserver

Situation: Nutzer kann keine Dateien mehr oeffnen, Loesegeldhinweis erscheint.

Erwartete Pruefungsantwort (kurz):

  • betroffenes Schutzziel: Verfuegbarkeit (und Integritaet)
  • Sofortmassnahmen: System isolieren, Incident-Prozess starten, Backups pruefen
  • TOM zur Vorsorge: Offline-Backups, Segmentierung, EDR, Awareness-Schulungen

Fall 2: Phishing-Mail im Einkauf

Situation: Mitarbeiter klickt Link, gibt Zugangsdaten ein.

Erwartete Pruefungsantwort (kurz):

  • betroffenes Schutzziel: Vertraulichkeit/Authentizitaet
  • Sofortmassnahmen: Passwort-Reset, MFA aktivieren, Log-Analyse
  • TOM zur Vorsorge: Mail-Schutz, Schulung, Meldeprozess

AP1/AP2 Lernfokus

  • Bedrohung immer einem Schutzziel zuordnen koennen
  • mindestens 2 technische und 2 organisatorische Massnahmen nennen koennen
  • Unterschied zwischen Technikproblem und Prozessproblem erklaeren koennen
  • TOM nicht nur aufzahlen, sondern begruendet auswaehlen

Klausurtypische Stolperfallen

  • Nur technische Massnahmen nennen und Organisation vergessen
  • Vertraulichkeit und Integritaet verwechseln
  • Ransomware nur als "Verschluesselung" sehen, statt Ausfallrisiko zu betonen
  • Keine Priorisierung von Sofortmassnahmen im Vorfall

30-Sekunden-Antwortschema fuer die Pruefung

Wenn eine Bedrohung in der Aufgabe steht, antworte immer in 4 Schritten:

  1. Bedrohung benennen (z. B. Phishing, Ransomware, Insider).
  2. Schutzziel nennen (primaer, optional sekundaer).
  3. Zwei technische TOM nennen.
  4. Zwei organisatorische TOM nennen.

Merksatz: Bedrohung -> Schutzziel -> Technik -> Organisation.

Selbstcheck (mit Loesungen)

Fragen

  1. Welche Schutzziele sind bei DDoS primaer betroffen?
  2. Nenne je 2 technische und 2 organisatorische TOM gegen Phishing.
  3. Warum reichen Backups allein gegen Ransomware nicht aus?
  4. Ein Mitarbeiter veraendert absichtlich Kundendaten. Welche Bedrohung liegt vor und welche TOM passen?

Loesungen

  1. Verfuegbarkeit (primaer), ggf. Integritaet indirekt.
  2. Technisch: Mail-Filter, MFA. Organisatorisch: Awareness-Schulung, klarer Meldeprozess.
  3. Weil auch Erkennung, Eindammung und Wiederanlauf organisiert sein muessen; ausserdem koennen Backups kompromittiert sein.
  4. Insider-Bedrohung/Datenmanipulation; TOM: Least Privilege, Protokollierung, Vier-Augen-Prinzip, klare Sanktions- und Freigabeprozesse.